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Nancy Krüger

 

Nan­cy, wie bist Du mit Yoga in Kon­takt  gekom­men?

Yoga ist zu mir gekom­men in einem bud­dhis­tis­chen Schweigek­loster, und zwar im nordindis­chen McLeod-Ganj. Ich war damals Anfang zwanzig und in ein­er Phase, in der ich mich mit meinem schnellen, wilden Leben ein biss­chen ver­loren fühlte. Ich war früher eine Par­ty-Queen, dauernd auf Tour und ich fühlte mich dabei so unrund mit mir sel­ber. Ich wollte ein­fach meine Ruhe find­en, meinen Wesenskern. Und ich wollte her­aus­find­en, wer ich unter all diesen sozialen Masken wirk­lich war. Das Tage­spro­gramm im Kloster bestand aus vie­len, vie­len Stun­den, in denen man nichts macht, son­dern ein­fach nur dasitzt. Dieser Blick nach innen ließ mich auf ein­mal viele Dinge sehen, die ich son­st an mir nicht wahrgenom­men hätte.

 

Wie kon­ntest Du diese Per­spek­tive in Dein Leben in Europa inte­gri­eren?

Als ich dann von Indi­en zurück gekom­men war, wollte ich weit­er­hin solche Erfahrun­gen machen und tiefer gehen. Physis­che Yoga-Prax­is war dann die nahe­liegende Möglichkeit dazu. Auch wenn die ersten Ein­heit­en, die ich besuchte sehr kör­per­be­tont waren, lernte ich schnell die Ästhetik und den Bewe­gungs­fluss zu schätzen, weil ich schon immer gerne getanzt habe. Dass rund um die Ausübung der Asanas (Kör­perübun­gen; Anm.) aber noch so viele Möglichkeit­en offen ste­hen, sich mit dem Inneren zu beschäfti­gen, kam mein­er Suche nach Leben­sphiloso­phie sehr ent­ge­gen. Dem fol­gte bald eine Aus­bil­dung zur Yoga-Lehrerin – eigentlich nur für mich selb­st, ich hat­te gar nicht vor, das als Beruf auszuüben.

 

Wie hat Yoga Deine Ein­stel­lung und Deine Beziehung zu Dir selb­st verän­dert?

Ich bin mir selb­st näher gekom­men und bin gle­ichzeit­ig ruhiger gewor­den, ohne meine ange­borene Lebenslust zu ver­lieren. Es hat mir geholfen, einen Raum in mir zu find­en, in den ich mich zurückziehen kann, wenn es rund um mich herum tur­bu­lent wird.

Früher hät­ten mich manche her­aus­fordernde Sit­u­a­tio­nen richtig aus den Schuhen gehauen, die ich jet­zt ein­fach nur zur Ken­nt­nis nehme, ohne mich reinzusteigern. Es gehört zum Leben, dass manche Tage ein­fach Scheiß-Tage sind, und durch das Yoga habe ich auch gel­ernt, mit welch­er inneren Hal­tung sie am besten zu bewälti­gen sind. Damit ver­bun­den ist bei mir auch der Wun­sch zu ver­ste­hen, was es genau ist, dass mich in manchen Sit­u­a­tio­nen oder im Umgang mit Kol­le­gen oder dem Lebenspart­ner so in Wut bringt. Macht es über­haupt Sinn, mich in ein­er ganz bes­timmten Sit­u­a­tion unbe­d­ingt behaupten zu müssen? Welche Emo­tio­nen spie­len sich ger­ade in mir ab? Kann ich mir sel­ber zugeste­hen, dass ich ger­ade Mist gebaut habe?

 

Kannst Du Dir ein Leben ohne Yoga heute noch vorstellen?

Da ich ohnedies viel Sport mache, kön­nte ich am ehesten auf die kör­per­lichen Übun­gen verzicht­en, denn im End­ef­fekt geht es dabei ja darum, möglichst entspan­nt im Med­i­ta­tion­ssitz ver­har­ren zu kön­nen. Was ich mir nicht vorstellen kön­nte, wäre, nochmal zwanzig zu sein und all die men­tal­en Schritte wieder rück­wärts zu gehen. Von daher ist es für mich auch unver­ständlich, dass viele Men­schen Angst davor haben, älter zu wer­den.

 

Welche Voraus­set­zun­gen soll­ten Leute mit­brin­gen, die in Deine Stunde kom­men wollen?

The­o­rethisch kön­nen auch Begin­ner zu mir kom­men, ander­er­seits kom­men auch Leute, die ihre Beine hin­ter den Kopf bekom­men. Und die möchte ich alle glück­lich machen in mein­er Sunde. Dazu braucht es viel Flex­i­bil­ität von mein­er Seite und auch einen gewis­sen Vari­anten­re­ich­tum. Deshalb halte ich meine Stun­den abwech­slungsre­ich und gut gelaunt und achte auf die Anwe­sen­heit eines inneren Lächelns und dass die The­men leben­snah sind. Ich bevorzuge fließende und kreative Bewe­gun­gen, um Kör­p­er, Kopf und Herz in Har­monie zu brin­gen. Zum Cool Down bringe ich auch sehr gerne Yin-Yoga ein, um tiefer eine Übung hineinzuge­hen und mitzuer­leben wie die Muskeln langsam entspan­nen und weich­er wer­den. Lock­er lassen ist eine Lek­tion in meinem Leben, die ich auch in meine Stun­dengestal­tung mit­nehme. Übri­gens ist das, laut dem Yogi Patan­jali, der schnell­ste Weg zur Erleuch­tung.

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