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Julia Baumann

Mag.

Wie bist Du zum Yoga gekom­men?

Eigentlich durch meinen Fre­und Mar­tin. Wir hat­ten damals noch recht wenig Ahnung von Yoga und hörten von ein­er Hot Yoga Klasse, da Hot Yoga damals ger­ade einen Hype in den Medi­en erlebte. In Anbe­tra­cht der bit­teren Kälte des Wiener Win­ters, dacht­en wir, das sei genau das richtige. Irgend­wie habe ich es aber nie dort hin geschafft. Im End­ef­fekt ent­deck­te ich aber dann eine Vinyasa-Klasse und in Folge viele weit­ere Stile und Lehrer wie Astrid Felsen­re­ich, Julia Rakus, Anna Small­wood, Julie Mar­tin und Emil Wen­del.

 

Was macht Yoga für Dich zu mehr als einem Fit­nesspro­gramm?

Ich habe einen ziem­lich anstren­gen­den Büro­job und dieses Zur-Ruhe-Kom­men beim Yoga hat mir so gut getan. Es offen­barte mir einen philosophis­chen und spir­ituellen Zugang, und wurde recht schnell ein willkommenes Gegengewicht zur materiell geprägten Leben­sre­al­ität des All­t­ags und der Arbeitswelt. Zu Beginn mein­er Yogaprax­is kon­nte ich wenig mit Spir­i­tu­al­ität anfan­gen, aber ich begann mich damit zu beschäfti­gen wie der Geist funk­tion­iert und welche anderen Dimen­sio­nen außer der mate­ri­al­is­tis­chen uns als Men­schen prä­gen. Yoga bietet da ein­fach einen unglaublichen Wis­senss­chatz.

 

Wie hat Yoga Dich über die Jahre verän­dert?

Am augen­schein­lich­sten ist natür­lich die Verän­derung des Kör­pers: ich bin kräftiger gewor­den und habe meine Bewe­gungs­freude mit Yoga wiederge­fun­den. Davor war mir mein Kör­per­be­wusst­sein ziem­lich ver­loren gegan­gen, nach­dem ich nach Wien zum Studieren und in Folge sehr jung zu ein­er Führungspo­si­tion gekom­men war. Außer­dem tut mir jet­zt mein Rück­en nicht mehr weh – eine bekan­nte Neben­er­schei­n­ung der Yogaprax­is. Ein weit­er­er Wirkungs­bere­ich des Yoga ist der geistige: wie man die men­tal­en Fluk­tu­a­tio­nen unter Kon­trolle hal­ten und ganz bei sich bleiben kann. Diese Analy­se­fähigkeit begleit­et einen dann in jed­er Lebenssi­t­u­a­tion und läßt einen an Selb­stver­trauen gewin­nen, was Zweifel, per­sön­liche Ver­luste, Leben­skrisen oder wichtige Entschei­dung­sprozesse im Leben bet­rifft. Yoga ist zu ein­er Kon­stante im Leben gewor­den, beson­ders auch in dun­klen Zeit­en, und es hat mir geholfen, mein volles Poten­tial wiederzuent­deck­en. Yoga ist für mich ein Tool, ein Werkzeug, dass mir durchs Leben hil­ft. In Momenten, in denen mir alles zu viel wird, schließe ich meine Augen und zoome mich hin­aus aus der Welt in eine Art Vogelper­spek­tive. Dann merke ich dass ich nur ein ganz klein­er Steck­nadelkopf bin, und dass manche Prob­leme eigentlich gar nicht so drama­tisch sind, wie ich sie im Moment wahrnehme.

 

Was möcht­est Du Deinen Schülern gerne mit­geben?

Zunächst ein­mal die Freude am eige­nen Kör­p­er und die Lust an der Bewe­gung. Yoga bietet die Möglichkeit, den eige­nen Kör­p­er und den Atem wiederzuent­deck­en oder neu zu sehen: Plöt­zlich siehst Du Deine Zehen aus ganz einem anderen Winkel, siehst Deinen Kör­p­er in unge­wohn­ter Per­spek­tive oder sog­ar in ein­er komisch anzuse­hen­den Posi­tion. Ich möchte meine Yoga-Ein­heit als Spiel­wiese ver­ste­hen in einem All­t­ag, in dem man ohnedies in enge For­men gepresst ist. Deshalb finde ich es auch wün­schenswert, wenn man den eige­nen Ehrgeiz vor der Tür ablegt, aber oft funk­tion­iert das nicht so: man kommt eben als ganz­er Men­sch ins Sha­la, mit Licht und Schat­ten. Das ist auch okay so, nie­mand braucht sich zu ver­stellen, wenn er oder sie in meine Stunde kommt. Während der Prax­is sieht man als Lehrer viele Emo­tio­nen, wie etwa schmale Lip­pen und die Härte, mit der manche gewohnt sind, gegen sich vorzuge­hen. Nach der Ein­heit ist die emo­tionale Lage meist bess­er. Die Gesichter sind entspan­nter und das Haar wird offen getra­gen, und das freut mich dann. Ich würde es begrüßen, wenn manche in bes­timmten Asanas nicht ver­suchen wür­den, weit­erzuge­hen als es gut für sie ist, aber ich weiß auch, dass es ein Lern­prozess ist, sich sel­ber zurück­zunehmen.

 

Wie kann man sich eine Ein­heit mit Dir vorstellen?

Meine Ein­heit­en bere­ite ich gern genau vor und ich über­lege mir etwas für jede einzelne. Ich würde meine Stun­den als abwech­slungsre­ich beze­ich­nen, obwohl sie auch sich wieder­holende Ele­mente haben – Repet­i­tiv­ität hat auch ihr Recht in den Stun­den. Ich bin drei Jahre lang zwei- bis dreimal pro Woche in eine Stunde gegan­gen und es war eigentlich immer das gle­iche (lacht). Was mich aber über­haupt nicht störte, denn offen­bar passte es genau in die Leben­sphase, die ich damals durch­laufen habe. Die eigene Yoga-Prax­is verän­dert sich ja auch mit den eige­nen Leben­sum­stän­den: noch bin ich jung und beweglich, aber das wird nicht immer so sein. Ich möchte mich gewiss nicht als Guru für meine Schüler sehen, son­dern sehe meine Auf­gabe eher darin, dass ich sie durch Worte und Tat­en berühren und sie dazu anre­gen kann, dem eige­nen inneren Men­tor zu fol­gen.

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