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Eva Kurz

Wie bist Du zum Yoga gekom­men?

In mein­er Jugend war ich Bal­lett- und Musi­cal-Tänz­erin und im Rah­men mein­er Aus­bil­dung wur­den uns Yoga-Ein­heit­en ange­boten, um den Kör­p­er dehn­bar­er zu machen. Damals habe ich es nicht so toll gefun­den, vielle­icht auch deshalb weil mir in dem unge­heizten Turn­saal, wo wir auf­grund der damals noch kaum vorhan­de­nen Yoga-Stu­dios übten, immer kalt war. Mit der Zeit aber verän­derte sich meine skep­tis­che Ein­stel­lung dazu und durch meine Begeg­nung mit Vinyasa-Flow erwachte dann schließlich um 2013 herum meine Begeis­terung fürs Yoga. Richtig reingekippt bin ich bei Vic­ki (Eck­er; Anm.) von Dok­tor Yoga, die mir gezeigt hat, dass Yoga mod­ern und richtig anstren­gend sein kann. Bei ihr habe ich dann auch meine Aus­bil­dung gemacht. Sehr gerne mag ich auch Meghan Cur­rie, die einen sehr tänz­erischen Ansatz zur Yoga-Prax­is hat. Eine weit­ere Schlüs­selfig­ur auf meinem Weg war David Williams, bei dem ich einen Work­shop bei der Yoga Con­fer­ence in Barcelona besuchte. David war ein­er der ersten West­lichen Yogis, die von Pat­tab­hi Jois (bedeu­ten­der indis­ch­er Meis­ter des Ash­tan­ga Yoga; Anm.) als Schüler akzep­tiert wur­den. So jeman­den üben und über Yoga reden zu hören, war inspiri­erend: David macht schon fast sein gesamtes Leben jene Übun­gen, die ihm gut tun, und er macht sie so, dass sie ihm gut tun. Das war eigentlich schon immer mein Gedanke; ihn aber durch einen so respek­tierten Lehrer wieder zu hören, war eine schöne Bestä­ti­gung.

 

Wie sieht Deine Selb­st­prax­is aus?

Ab und zu gehe ich sel­ber in Ash­tan­ga-Klassen und was ich sel­ber als eher unruhiger Geist nicht so gerne übe, aber sehr gern unter­richte, ist Yin Yoga. Dabei kann ich viel von meinem Wis­sen über TCM (Tra­di­tionelle Chi­ne­sis­che Medi­zin; Anm.) und die Kör­p­er-Merid­i­ane weit­ergeben. Med­i­ta­tion halte ich für sehr wichtig und nach und nach gelingt es mir, trotz der Tat­sache, dass ich Hum­meln im Hin­tern habe, immer bess­er, abzuschal­ten. Wenn ich zu Hause für mich übe, pro­biere ich unter­schiedliche Flows aus. Dabei ist es mir wichtig, dass sich die Asanas gut anfühlen: Ich mag keine Ver­ränkun­gen im Hals oder Übun­gen bei denen es mich schmerzhaft span­nt oder krampft. Die Faus­tregel ist: Wenn es sich für mich gut anfühlt, gefällt es meinen Schülern dann auch. Manch­mal set­ze ich mich ein­fach nur auf die Mat­te und übe, worauf ich ger­ade Lust habe. Ob das ein­fach nur Son­nen­grüße oder irgendwelche ver­rück­ten Arm Bal­ances sind, hängt von mein­er Tagesver­fas­sung ab. Und falls ich irgend­wo Schmerzen habe, dann ist Yoga in der Regel eine sehr gute Ther­a­pie.

 

Was möcht­est Du den Leuten, die in Deine Stunde kom­men gern mit­geben?

Mir ist wichtig, dass sie Freude am Yoga haben, dass sie gern in die Stunde kom­men und sich Übun­gen und Tips aus der Prax­is her­aus­nehmen kön­nen, die ihnen gut tun. Es soll auch immer genü­gend Zeit sein, um zu lachen. Es ist nun­mal Yoga; manch­mal schaust du blöd aus, manch­mal kommst du aus dem Gle­ichgewicht und fällst um – Ver­bis­senheit und allzu­große Ern­sthaftigkeit wäre dann fehl am Platz. Ich gehe davon aus, dass jed­er sein eigenes Yoga macht und wenn er oder sie gern zu Heavy Met­al prak­tiziert, dann sollte das möglich sein!

 

Wie hat Yoga Dein Leben verän­dert?

Mein Kör­p­er ist nicht ganz gesund; ich lei­de an Sko­liose und bin daher ein biss­chen schief. Yoga bringt mich nach und nach in die Mitte und ich merke, dass ich verspan­nter bin, wenn ich mal nicht zum Üben komme. Eine mein­er Lehrerin­nen hat mir ein­mal ger­at­en, dankbar zu sein, dass ich über­haupt einen Kör­p­er habe, mit dem ich Yoga machen kann. Ich kann zwar nicht fünf Minuten im Hand­stand ste­hen, aber Dankbarkeit für dass, was der Kör­p­er kann, ist immer ange­bracht. Wir jam­mern ja alle sowieso viel zu viel und sind schw­er zufrieden­zustellen. Yoga hat mir auch aufgezeigt, wie unruhig ich inner­lich eigentlich bin und wie anstren­gend es sein kann, ein­fach mal nur dazusitzen. Ich habe auch gemerkt, dass ich, wenn mich etwas im All­t­ag aufregt, anders zu atmen beginne. Oder ander­srum: manch­mal bin ich während mein­er Prax­is plöt­zlich grund­los grantig und frage mich dann weshalb das so ist. Yoga kann unver­mutet Emo­tio­nen in Dir aus­lösen. Das finde ich sehr span­nend.

 

Was macht Yoga für Dich zu mehr als bloß ein Work-Out?

Zunächst dass es es eine so uralte Tra­di­tion ist. Ich finde es schön, dass die meis­ten Übun­gen im Yoga in Zusam­men­hang ste­hen mit ein­er Hin­du-Got­theit oder mit ein­er Geschichte – es macht alles in sich so viel Sinn. Ich meine, Kniebeu­gen haben auch den Sinn, dass man davon einen hüb­schen Popo kriegt, aber das ist im Yoga eben nicht alles: da passiert so viel, das man sich eigentlich nicht erk­lären kann. Yoga macht etwas mit dir, es verän­dert dich, auch wenn du gar nicht dran glaub­st. Da bin ich das beste Beispiel dafür: anfangs war ich allem gegenüber zutief­st abgeneigt, was auch nur ein biss­chen spir­ituell hätte sein kön­nen. Wenn du aber mehr drüber lernst, und dabei bleib­st, willst du ein­fach mehr Hin­ter­grund­wis­sen erfahren. Yoga ist auch so inter­na­tion­al: Durch die San­skrit-Begriffe kann man weltweit Yoga unter­richt­en, auch wenn man die lokale Sprache nicht kann. Eine mein­er Grund-Assozi­a­tio­nen mit Yoga war auch immer das Bild der fre­undlichen alten Yogi­ni mit son­nengegerbter Haut und langem weißem Haar, die sich nicht zu viele Gedanken macht, ob sie in unsere Gesellschaft passt und sich nicht scheut, bis ins hohe Alter ein biss­chen anders und indi­vidu­ell zu bleiben. Ich bin eher für Yoga Glow statt für Botox-Glät­tung.

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